previous arrow
next arrow
Slider

Das Thema wird kommen, ist jedoch noch nicht wirksam. Die Ausführungen gelten erst nach Genehmigung durch den Bundestag und es kann sich noch das eine oder andere verändern!

pdfAktuelles Rundschreiben zur Umsatzsteuersenkung123.27 kB

Grundsätze zur Anwendung der niedrigeren Umsatzsteuersätze:

Definieren Sie den Tag, der als Ausführungstag der Lieferung oder Leistung gilt.
Auch in der Zeit vom 1.7. 2020 bis 31.12.2020 hat der Ausführungstag einer Lieferung oder Leistung die entscheidende Bedeutung und leider gibt es hier einige Besonderheiten:

  • Zunächst ist es wichtig, dass folgende Zeitpunkte absolut nicht relevant für die Auswahl des richtigen Umsatzsteuersatzes sind:
  • nicht maßgebend ist der Tag einer Vertragsunterzeichnung,
  • nicht maßgebend ist der Zeitpunkt der Rechnungsstellung und
  • nicht maßgebend ist der Zeitpunkt der Zahlung.


Lieferungen

Eine Lieferung gilt immer am Tag der Ausführung der Lieferung als bewirkt; im Einzelnen lässt sich hier unterscheiden:

  • bei einem Ladeneinkauf ist der Tag des Einkaufs bzw. Übergabe der Ware maßgebend (Mitnahmetag)
  • im Rahmen einer Online Bestellung im Versandhandel gilt i.d.R. der Tag der Übergabe der Ware an den Lieferdienst (DPD/UPS/DHL) als Ausführungstag und somit als Tag zur Bestimmung des anzuwendenden Steuersatzes
  • bei einer Abhollieferung gilt i.d.R. der Tag der Abholung sprich der Übergabetag der Ware an den Kunden oder den Bevollmächtigten als Ausführungstag
  • bei einer Versendungslieferung gilt der Tag der Übergabe an den Lieferdienst/Spedition als Ausführungstag


Leistungen

  • Leistungen erhalten nur dann den niedrigeren Steuersatz, wenn die letzte Leistungzu diesem Auftrag an einem Tag im Zeitraum 01.07.2020 bis 31.12.2020 ausgeführt wurde (Leistungen gelten immer am letzten Tag als ausgeführt)


Besonderheiten nach Stichworten:

  • Erhaltene Anzahlungen vor dem 01.07. deren Leistungsdatum (Leistungsende) im Zeitraum 1.7.20 bis 31.12.20 liegt, sind insgesamt dem niedrigeren Steuersatz zu unterwerfen (§ 27 Abs. 1 UStG). Passen Sie hierfür Ihre Schlussrechnungsformulare an.
  • Für Lizenzen und ähnliche „Jahresleistungen“ gilt, dass diese erst mit Ablauf des Zeitraums (also am Ablauftag) als erbracht gelten, deshalb sind diese wie folgt zu behandeln:
    Endet der Jahreszeitraum zwischen dem 1.7.2020 und 31.12.2020 (einschl.) gilt der niedrigere Steuersatz. Achtung das gilt selbst dann, wenn für ganze Jahr 2020 im Voraus schon 2019 bezahlt wurde.
    Endet der Jahreszeitraum nach dem 31.12.2020 ist der höhere Steuersatz anzuwenden. Keine Aufteilung außer das ist ausdrücklich im Lizenzvertrag abweichend geregelt.
    Endet der Jahreszeitraum vor dem 1.7.2020 ist der höhere Steuersatz anzuwenden.
    - Nur wenn der Lizenzvertrag im Zeitraum 1.7.2020 bis 31.12.2020 endet kommt es nach herrschender Meinung zu einer Anpassung sowohl der Zahlung (Rückzahlung) an den Lizenznehmer als zu einer Berichtigung einer bereits geschriebenen Rechnung!
  • Für Vereine: soweit umsatzsteuerpflichtige Jahres-Mitgliedsbeiträge vorliegen (beispielsweise Lohnsteuerhilfeverein) unterliegen diese für das Gesamtjahr 2020 dem reduzierten Steuersatz von 16%. Bei Mitgliedsbeiträgen gilt bei Mitgliedschaft bis 31.12. die Leistung als am letzten Tag der Mitgliedschaft erst als vollendet.
  • Für das Abonnements einer Zeitung oder Fachliteratur gilt eine Aufteilungspflicht entsprechend der vertraglichen Zeitpunkte
  • Ausgangsrechnungsformulare sind an die neuen Steuersätze anzupassen. Bearbeiten sie im Vorfeld jetzt Ihre Vorlagen und rüsten Sie Ihre Software zur korrekten Fakturierung auf. Vergessen Sie nicht dass auch die Anpassung genutzter Schnittstellen zu DATEV und anderen Systemen notwendig ist
  • Reverse Charge (=Sonstige Leistungen): für Alle im Inland steuerbaren Reverse-Charge Leistungen sind die niedrigeren Steuersätze beginnend am 1.7.2020 (letzter Tag des Leistungszeitraums) anzuwenden.
  • Innergemeinschaftliche Erwerbe, deren Lieferdatum ab 1.7.2020 liegt, sind zum niedrigeren Steuersatz anzumelden.
  • Innergemeinschaftliche Lieferungen, sind steuerfrei also nicht relevant für die Usmatzsteuersatzänderung
  • Elektronische Kassensysteme(andere dürfte es fast nicht mehr geben) sind auf die neuen Steuersätze zu erweitern
  • In der Buchführung sind neue Konten für die korrekte Verbuchung der neuen Steuersätze anzulegen
  • Starten sie den Prozess Rechnungseingangsprüfung! Dabei ist besonders darauf zu achten, dass Lieferantenrechnungen für in Anspruch genommene Leistungen die vor 1.1.20 begonnen hatten und im Zeitraum 1.7.2020 - 31.12.2020 abgeschlossen werden, auch den niedrigeren Umsatzsteuersatz enthalten dürfen (müssen).
  • Versehentlich zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer ist abzuführen! (§14c Abs.1 UStG) UND Achtung eine falsch oder auch irrtümlich zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer ist beim Rechnungsempfänger nur in Höhe der richtigen Steuer als Vorsteuer abzugsfähig
  • Achtung bei Reisekostenabrechnungen wie z.B. Hotelkosten und Zugtickets, denn auch hier sind neue Konten und/oder Steuerschlüssel zu aktivieren. Buchungen für Übernachtungen oder Zugtickets die in den Zeitraum ab 01.07.2020 fallen sind, auch wenn Sie jetzt bezahlt werden, mit den niedrigeren Steuersätzen zu fakturieren!
  • Auch im Eigenverbrauch und für die 1% Regelung ihrer Mitarbeiter entsteht ab Juli der verminderte Steuersatz 16%
  • Bei MietverträgenLeasingverträgenHandyverträgen (Dauerleistungen) müssen unter Umständen sogar die Verträge angepasst werden. Lautet der Mietvertrag auf "Nettomiete zuzüglich Umsatzsteuer nach dem jeweils geltenden Umsatzsteuersatz", so ist nur die zugehörige Dauerrechnung anzupassen. Ist dagegen der Umsatzsteuersatz fest mit 19% und einer Betragsangabe versehen, sollte unbedingt eine Vertragsänderung oder ein Vertragszusatz erstellt werden
  • Gerät ein Unternehmer(n) am 31.12.2020 in Verzug und kann er deswegen eine Leistung nicht mehr im zum günstigeren Steuersatz abrechnen so drohen Schadenersatzansprüche an den Verzugsverursacher! Gerade bei Handwerkerleistungen an Privatpersonen zum "Erhöhungsstichtag" kann dies zu einer erheblichen Verteuerung der Leistung und Streitigkeiten führen.
  • Achtung: es entstehen Ausgleichsverpflichtungen in Geld (§ 29 UStG) für langfristige Verträge, soweit nicht ausdrücklich im Vertrag dieser Fall individuell ausgeschlossen wurde
  • Leasing-Sonderzahlungen sind zu zerlegen und aufzuteilen
  • ACHTUNG Gutscheine (§ 3 Abs. 13 UStG) sind ab sofort ohne UST-Ausweis auszustellen !. Unabhängig ob vor oder nach 1.7.2020 eingelöst oder einlösbar – es steht der anzuwendende Steuersatz nicht mehr fest! Es entsteht auch ab sofort kein Vorsteuerabzug bei Gutscheinausgabe mehr! Das liegt daran dass der Einlösezeitpunkt nicht mehr feststeht
  • Nachlässe und Boni sind nach den in den Zeitraum des niedrigeren Steuersatzes entfallenden Lieferungen oder Leistungen entsprechend aufzuteilen soweit es sich um aufteilbare Vorgänge handelt.
  • Skonto für eine Rechnung mit Ausführungstag der Lieferung oder der Leistung vor dem 1.7.2020 gilt Skontobezogen der alte „höhere“ Steuersatz.
  • Eine Hotelübernachtung ist erst nach der Nacht abgeschlossen, also gilt für die Nacht vom 30.6. auf den 1.7. der neue niedrigere Steuersatz.
  • Bei Ausgabe von Pfandflaschen ä. gilt der Steuersatz am Ausgabetag; bei Pfandrückgabe ist zu beachten, dass die Rücknahme eine sogenannte Entgeltminderung ist die dem ursprünglichen Umsatz zuzuordnen wäre. Da dies i.d.R. unmöglich ist, wurde es bisher (letzte Steuersatzänderung 2007) nicht beanstandet, Pfandrückgaben bis 3 Monate nach Wechsel des Steuersatzes noch zum "alten Steuersatz" vorzunehmen.
  • bei der Rückgabe und dem Umtausch von Waren, wird der ursprüngliche Umsatz rückgängig gemacht. Der auf die Rückgabe anzuwendende Steuersatz ist derjenige der bei Verkauf anzuwenden war und bei Ausgabe der "neuen Ware" ist der Steuersatz am Umtauschtag maßgebend.
  • Gastronomie:
    Die Ausführungen stehen noch unter einem Klarstellungsvorbehalt. Die Gesetzestexte und Auslegungen sind noch nicht final abgestimmt. Es gibt aktuell unterschiedliche Meinungen zu den anzuwendenden Steuersätzen (Stand 5.6.2020).
    Unsere Erachtens gilt voraussichtlich folgendes für Gastronomie und Unternehmen mit Umsätzen ähnlichen Hotel- Gaststätten- und Verpflegungsleistungen:
    - bis 30.6.2020 unterliegen deren Leistungen dem „alten“ Umsatzsteuersatz von 19 %,
    - ab 1.7.2020 gilt der ermäßigte Umsatzsteuersatz i.H. von 5 %, und
    - im Zeitraum 1.1.2021 bis 30.6.2021 der Steuersatz i.H. von 7 %
    - Ab 1.7.2021 ist „alles wieder beim alten“ Steuersatz i.H.v. 19 %
    - Gutscheine sind ab sofort (nicht erst ab 1.7.2020) ohne Umsatzsteuer auszugeben (siehe oben)
    - Bewirtungsleistungen in der Nacht vom 30.6. auf den 1.7.2020 können nach der bisher von der Fin.Verwaltung angewandten Vereinfachungsregel zum alten Steuersatz abgewickelt werden

Zur Erinnerung: die letzte Steuersatzerhöhung bei der Umsatzsteuer erfolgte zum 1.1.2007 und das führte zu erheblichen Abgrenzungsproblemen auf die sich seinerzeit noch jeder einigermaßen vorbereiten konnte. Diese nun temporäre Senkung der Steuersätze von 19% auf 16% und 7% auf 5% wird „schlimmer“!; zum Einen weil die Einführung innerhalb von 3 Wochen umgesetzt werden muss und zum Anderen weil sich seit über 10 Jahren kein Mensch mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat und besonders auch aufgrund der Tatsache dass zwischenzeitlich die Umsatzsteuer selbst, gerade in Fällen mit Auslandsbezug und auch im Online Handel erhebliche Veränderungen erfahren hat. Wir informieren Sie in den folgenden Zeilen zu den Besonderheiten die zu beachten anhand gekennzeichneter Stichworte. So hoffen wir, Sie finden schnell zu Ihrer gesuchten Thematik im Zusammenhang mit der Steuersatzsenkung. Wir wünschen „Viel Erfolg“ bei der Umsetzung der Steuersatzreduzierung. Planen Sie großzügig Zeit und Ressourcen zur Implementierung der neuen Steuersätze in Ihrem Unternehmen ein.

Unser Praxitipp für Leistungen an Endverbraucher

Damit die Steuersatzsenkung beim Endverbraucher ankommt, sollten jetzt soweit möglich die Fertigstellung aller Leistungen an private Endabnehmer in den Zeitraum 1.7. bis 31.12.2020 gelegt werden.
Beispiel: Zulässig ist es z.B. in unserer Branche die Fertigstellung von Einkommensteuererklärungen für Privatpersonen erst im Juli auszuführen. Erst mit Ausführung der letzten Arbeiten gilt die Leistung "Steuererklärung" als ausgeführt. So kommen die 3% auch beim Mandanten an!

Bitte planen Sie großzügig Zeiten ein für die Anpassung aller Ihrer Systeme, Vorlagen, Formulare und informieren Sie Ihr Team in gleicher Weise über die zahlreichen arbeitsintensiven Folgen der Regierungsentscheidung "Steuersatzsenkung". Wir hoffen auf weitreichende Vereinfachungsregelungen

Hinweise zur Haftung und Unvollständigkeit:

  • Diese Mitteilung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Sie soll ausschließlich auf die Besonderheiten hinweisen und Sie dahingehend sensibilisieren sowie einen ersten Lösungsansatz bieten.
  • Diese Mitteilung ist absolut unverbindlich.
  • Nochmals der Hinweis das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen und daher alles nur in der Entwurfsphase.
Steuerkanzlei Eberhardt
Uwe K. Eberhardt
Diplom-Volkswirt
 
Benediktenhof
St.-Gebhard-Straße 32
78467 Konstanz
 
Tel. +49 (0)7531 692 37-0
Fax +49 (0)7531 692 37-49
E-Mail senden
Impressum
Disclaimer
Datenschutz
Cookies
AGB
Inhaltsverzeichnis
Kontaktformular